Alltag

 

Leben mit Hund und psychische Erkrankung? – So kann´s gehen!

Wieso kann? Es gibt niemals ein Patentrezept, denn man darf hierbei nicht vergessen, es sind zwei Individuen, der Mensch sowie der Hund, die zusammen den Weg gehen. Oft werden Valentino und ich gefragt, wie wir das zusammen schaffen, gerade in Zeiten, in denen es schwierig ist. Das Zauberwort ist Planung, Hilfe und Disziplin.

P1000955Bevor Valentino bei mir einzog, war klar, egal was passiert, ich bin für ihn verantwortlich, ich muss mich um ihn kümmern, egal ob ich nun depressiv, mit Migräne ans Bett gefesselt oder einen Rückschlag erlitten habe. Es ist meine Verantwortung, dass es diesem Lebewesen gut geht, dass er die Auslastung und Ruhe bekommt, die er braucht, dass er sein Futter und Training bekommt, ebenso den Auslauf mit anderen Hunden. Egal wie schlecht es mir gehen mag, ich muss – und ich kann! Durch Valentino habe ich gelernt eben auch mal meine Grenzen zu überschreiten, voranzugehen, auch wenn es kaum möglich ist. Sicher gibt es Situationen, in denen ich nicht kann, das denke ich jedenfalls, ich fühle mich schlapp, müde, ausgelaugt, die Ängste lähmen mich, dennoch wenn die Zeit für Valentinos Geschäft gekommen ist, ziehe ich mich an und gehe raus. Egal ob es regnet oder die Sonne scheint, ob es hagelt oder schneit – immer mit dem Gedanken, es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung!
Um so öfter man diese Grenze überschreitet, sich in dieser Richtung auch mal zwingt, um so eher lernt man, dass es nichts Schlimmes ist. Selbst heute nach zwei Jahren mit Valentino gibt es Tage, an denen ich am Fenster stehe und denke, „Nein, ich kann nicht! Gefährlich ist es draußen!“ – während die Angst kalte Schauer über meinen Rücken jagt. Dann gehe ich ohne Wertung und Gedanken daran in den Flur, ziehe mich an, schnappe die Leine und den Schlüssel und gehe mit Valentino raus. Die ersten Meter fühlen sich oft an, als hätte ich Watte unter den Schuhen, als würde der Boden nachgeben, die Knie sind weich und wackelig und ich merke, dass ich sehr hektisch atme. Valentino fängt schon an zu stupsen, so nach dem Motto „Mami ist gut, ich pass schon auf dich auf!“ und ich konzentriere mich dann auf den Weg, auf meinen Atem und merke, wie sich meine Muskulatur langsam entspannt. Nach einigen Minuten bin wieder entspannt, laufe über die Felder und möchte am liebsten gar nicht mehr nach Hause, weil ich den Wind spüre und merke, wie gut ich mich dadurch erden kann.

Oft erfordert es einfach auch Planung, gerade in Phasen, in denen es einem nicht gut geht, sodass der Hund dennoch seine Pausen und genug Zeit zum schlafen finden kann. In den Zeiten, in denen sehr viele Termine anstehen, plane ich meine Wege genau, sodass ich mehrere Sachen gleich hintereinander weg erledigen kann und Valentino danach dann Pause hat. Ebenfalls ist es wichtig, dass man am Training dran bleibt, aber auch daran denkt, den Hund nicht zu überlasten. Es ist manchmal ein bisschen schwierig, aber machbar.
Für den Notfall habe ich natürlich auch noch einen Plan, sodass Valentino in jeglicher Situation gut versorgt ist, und ich mir deshalb keine großen Sorgen machen muss, bzw. es wenn es schnell gehen muss, keine Hektik ausbricht.

Wenn der Hund gut geeignet ist für seine Aufgabe, kommt er auch mit einer depressiven Phase zurecht, ohne dass er selbst depressiv wird. Valentino wird dann z.B. lustig, fordert mich zum Spielen auf oder legt sich einfach zu mir zum Kuscheln und in Kontakt gehen. Diese Phasen dauern bei mir mittlerweile weniger lange, weil Valentino mir da eine riesige Hilfe ist. Die Bewegung mit ihm in der Natur, die Kontakte dadurch mit anderen Hundemenschen helfen einem, schneller aus diesem Tief heraus zu kommen. Bei mir ist es auch so, dass wenn ich einmal ein paar Tage nichts Lustiges mit Valentino gemacht habe, muss ich mich einfach zusammenreißen, ihm zuliebe und was Tolles machen. Wenn ich dann sehe, wie er fröhlich lachend über die Wiesen rennt und springt, dann geht es mir auch gleich wieder ein wenig besser.

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