Warum wir immer mal wieder kommentarlos verschwunden sind.

Heute möchte ich wieder versuchen einen kleinen Einblick in das Leben mit PTBS zu geben. Was fühlt man, wenn das Chaos ausbricht? Wieso kann man zeitweise keine Menschen ertragen?

Regelmäßige Psychotherapie steht bei mir seit vielen Jahren auf dem Plan. Gerade mit chronischen Traumata im Hintergrund muss vieles erarbeitet werden, was für gesunde Menschen völlig normal ist. Die Stabilisierungsphase geht über sehr viele Jahre und muss immer wieder neu aufgebaut werden. Meine Therapeutin war nun lange im Urlaub, bzw. ist es noch aber kommende Woche können wir nun endlich zur Vertretung. Das hieß für uns nun, fünf Wochen keine Therapie und das war wahnsinnig anstrengend und führt leider immer mal wieder zu einer instabilen Phase. 

Aktuell sind wir an einem Punkt, an dem sich innerlich sehr viel bewegt hat. Es konnte viel erarbeitet werden, neue Ansätze, wie es weitergehen könnte, und das kleine Pflänzchen des Vertrauens wächst in der Therapie, langsam aber stetig.
Urlaub unserer Ärzte bedeutet für uns immer auch irgendwie Stress. Was ist, wenn etwas passiert? Vertretungsärzte kommen oft einfach nicht infrage und beim Psychotherapeuten, gibts diese nicht. Es ist ja nicht, wie beim Hausarzt, wo man dann zur größten Not eben zum Kollegen geht. In der Therapie ist die Basis eben das Vertrauen und das kann man nicht eben in einer Stunde mal kurz aufbauen.

Ich habe schon relativ zu Anfang der Pause gemerkt, dass die Depression sich wieder bemerkbar macht und wir insgesamt instabil werden. Sehr sensibel, sehr viele Albträume und innere Bilder. Ein Moment, der immer irgendwie kritisch ist. Die Angst vor der tiefen, dunklen Depression zieht sie nur noch mehr an, unterbinden kann man es nicht, nur versuchen sich etwas Gutes zu tun und zu hoffen, dass man doch irgendwie an diesem tiefen Loch vorbei schrammt.

Leider war es nicht abzuwenden und so rutschte ich immer weiter in die Depression, bis eben der Tag kam, an dem gar nichts mehr ging. 
Sprechen? Ging nicht. Erklären, was überhaupt los ist, konnte ich nicht. 
Innerliches Totalchaos, viele Gefühle und Bilder, totale Sprachlosigkeit und Überforderung und gleichzeitig eine lähmende Stille. Der Körper war wie mit Blei gefüllt. Dazu das Gefühl nicht mehr atmen zu können, gegen eine Wand zu denken, sich selbst zu erbrechen. Überflutet von Gefühlen und Gedanken, der Wunsch zu flüchten und sich zu verstecken. 
Kontakt nach außen? – nicht mehr möglich. Selbst mit den Buben wars teilweise schwierig und ich musste mich zurückziehen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. 
Liebe und Zuwendung war für mich kaum zu ertragen, es fühlt sich an, wie Feuer auf meiner Haut.
Sehr viel Selbsthass und Vorwürfe, den Druck sich selbst zu verletzen und diesem Druck einfach ein Ventil zu geben.

Tagelange lag ich fast nur da. Bewegte mich nur noch, um mit den Buben spazieren zu gehen. Ich ertrug keine Sprache, keine Worte, hatte das Gefühl, das ich mich meinem Umfeld dringend erklären muss, doch konnte ich es nicht. Es ist, als hätte man verlernt zu sprechen. Dazu kam ein massiver Zwang sich zu entschuldigen für einfach alles.

So steigerte sich der Druck über Tage, die Depression verstärkte sich massiv, bis alles in einem Krampfanfall endete und sich der Druck so entlud und alles wieder von vorne begann. Meine Zeitlücken waren riesig und ich merkte, dass ich kaum mehr Kontrolle über meine Tage hatte.
Und irgendwann war es wieder da, das Gefühl gehen zu wollen. Die Gedanken, über diese Belastung für mein Umfeld, wie toll die Menschen es hätten ohne mich, wie toll es wäre, wenn die Buben nicht mit mir belastet wären, bla bla, das übliche Lied.
Das ist dann so der Moment, wo ich merke, dass es wirklich kritisch wird, dass der Gedanke an den Tod eine große Erleichterung auslöst. Endlich Ruhe, keinen Schmerz mehr, keine Belastung mehr sein …

Da habe ich dann beschlossen ein paar Tage meine Notfallmedikation auszunutzen und diesem Chaos ein Ende zu bereiten, und zwar so, dass niemand einen Schaden nimmt. Nach drei Tagen vollgepumpt auf dem Sofa liegen, merkte ich am vierten Tag dann schon, dass die Stimmung wieder leichten einen Bogen nach oben macht. Puh.
Für mich ist diese Möglichkeit beruhigend. Zu wissen, zur größten Not, kann ich diesen Zustand medikamentös unterbrechen. Oft schaffe ich es auch diese Phasen ohne zusätzliche Medikamente zu überstehen, mit so viel wie möglich an Selbstfürsorge und Ruhe. Diesmal triggerte mich aber einfach alles, nicht mal mehr etwas zu trinken konnte ich mir nehmen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben und den Druck zu verspüren mich dafür bestrafen zu müssen.

Das Problem ist dabei oft, dass es einen oder mehrere massive Trigger gibt, die ich aber einfach nicht kenne und nicht merke, was es ist. So habe ich dann leider auch nicht die Möglichkeit, etwas dagegen zu tun.

Nach ein paar Tagen Notfallmedikamente geht es jetzt aber zum Glück wieder und ich bin froh, dass diese lange Therapiepause nun vorbei ist und ich wieder mein Sicherheitsnetz habe.