Einfach nur leben, die Freiheit spüren, lachen ohne Angst vor dem inneren Abgrund, genießen ohne Angst vor den Erinnerungen. Ich will die Natur fühlen, einatmen, sie festhalten und nie wieder loslassen. Die Schönheit der Blumen, das Summen der Bienen, der Geruch von Regen im Sommer.

Viele Menschen ahnen nicht, dass Freiheit ein so hohes Gut ist, es ist für sie normal, nichts Besonderes, alltäglich. Ich lebte mein Leben lang in Gefangenheit. Fast mein ganzes Leben in Gefangenheit meiner Täter und heute, in Gefangenheit meiner Erinnerungen und den Traumafolgen wie der Angststörung, Depression und dissoziativen Störungen. 
Früher dachte ich, wenn ich mal groß bin, wenn ich erwachsen bin, dann haue ich ab und dann beginnt mein neues Leben. Ab da bin ich für immer frei. Aber so ist es nicht, leider.

Die Folgen der jahrelangen Traumatisierungen sind unübersehbar, sie schränken mein ganzes Leben ein. Ich habe alle Formen von Gewalt erlebt, psychisch, physisch und se*uell. Das alles hat so viel in mit zerstört, mein Vertrauen, meine innere Sicherheit, meine Gefühle, mein eigenes Ich.
Ich versuchte, jahrelange ein normales Leben zu führen, schloss die Schule ab, machte eine Ausbildung, versuchte, mich normal in der Gesellschaft zu bewegen, endlich dazugehören, endlich jemand sein, endlich etwas schaffen, etwas das für mich ist, etwas, was mir was bedeutete. Doch dann brach ich zusammen, meine Vergangenheit brach mit voller Wucht über mich hinein.

Ich sammele seit nun 9 Jahren jeden Tag die Scherben zusammen, mache Therapie, nehme Medikamente und bin nun auf dem Stand, dass ich mich nicht mehr umbringen möchte. Dass ich die Chance, auf ein normales Leben, am Horizont sehen kann. So normal es eben geht.

Meine Täter haben mein Leben zerstört, damals und auch heute, will es niemand wissen. Die Gesellschaft will lieber wegschauen, weil es so ein unangenehmes Thema ist oder es gerade nicht ins Programm passt.
Ich lebe damit jeden Tag, jeden einzelnen Tag kämpfe ich. Ich Kämpfe gegen die Depressionen, die Panikattacken, gegen die immer wiederkehrenden Erinnerungen, die Albträume, den Verlust des Körpergefühls, gegen die Amnesien, dagegen, dass meine Vergangenheit mich und meine Zukunft weiter zerstört.
Ich ertrage die psychisch ausgelösten Krampfanfälle, die Zeiten in denen ich orientierungslos bin und nicht mehr weiß, in welcher Zeit ich gerade lebe. Ob ich in Gefahr bin oder es „nur“ das Gefühl von damals ist. 

Ich habe meine Hunde an meiner Seite, mit denen es einfacher ist, die vieles lindern. Die gelernt haben, mich zu unterstützen und es mir einfacher zu machen. Sie mich nehmen, wie ich bin, ihnen kann ich alles erzählen, sie hören mir zu. 

Es darf nicht sein, dass die Opfer von Missbrauch, von Gewalt und Misshandlung nicht angehört werden. Es darf nicht sein, dass weiter weggeschaut wird und die Betroffenen damit zum Außenseiter gemacht werden.
Sie werden damit in die Einsamkeit verbannt, sie werden alleine gelassen und zum Schweigen gezwungen. Gewalt, Misshandlung und/oder Missbrauch überleben zu haben macht einsam. Man lebt in einer Welt, die niemand verstehen kann und will.