Glück im Leben – Gemeinsam zurück ins Leben

Ich bin Bea, 27 Jahre alt und leide unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und dissoziativer Identitätsstörung. Dies sind nicht einfach „irgendwelche“ Krankheiten, sondern das Ergebnis meiner Kindheit und Jugend in der ich mehrfach massiv traumatisiert wurde.

Im Jahr 2009 hatte ich einen Komplettausfall meines Körpers. Es begann mit massiven Schmerzen überall, die Gelenkentzündungen, unter denen ich seid Jahren litt, kamen in immer kürzeren Abständen. Ich erkrankte an einer chronischen Darmentzündung, die nur schwer in Griff zu bekommen war. Immer mehr Symptome verfestigten sich, Panikattacken, Flashbacks (Wiedererinnerung an traumatische Situationen), Herzrasen, Schwindel, Tinnitus, Erschöpfung, Schlafstörungen und Albträume, Migräne und vor allem eines: eine so massive Angst, die mir den Atem raubte. Die Angst verfolgte mich Tag und Nacht und nach einigen Wochen konnte ich meine Wohnung nicht mehr alleine verlassen. Ich litt unter Depressionen und kämpfte dagegen an, ich wollte es unbedingt alleine schaffen, schließlich müsste ich mich nur ein bisschen zusammenreißen und sollte mich einfach nicht so anstellen.

Ein Jahr später merkte ich, ohne Hilfe schaffe ich es nicht. Ich begann eine Psychotherapie, suchte mir einen Psychiater, der mich medikamentös behandelte.

Nach zwei weiteren Jahren, war ich mit den Medikamenten am Limit, ich nahm fünf verschiedene Antidepressiva und Neuroleptika in der Höchstdosis und hatte das Gefühl, dass es überhaupt nicht half. Ich lebte nur noch von einem Termin bei meinem Psychotherapeuten zum nächsten. Meine Gedanken kreisten nur noch um eines, wie kann ich mein Leben beenden ohne die Menschen in meinem Umfeld damit zu schädigen.

Nach einem gescheiterten Klinikaufenthalt musste etwas passieren. Entweder es würde nun einfach ein Wunder geschehen oder ich würde den einzigen Ausweg, den Tod wählen müssen, um endlich die Ruhe zu bekommen, die ich mir so sehnlichst wünschte. Ich wurde verfolgt von Bildern und Gefühlen aus meiner Kindheit und Jugend und wurde sie einfach nicht mehr los. Ich hatte das Gefühl daran ersticken zu müssen und wusste weder ein noch aus.

Dann wurde ich durch eine Reportage auf die PTBS-Assistenzhunde aufmerksam.

Im Januar 2014 nahm ich mein Leben in die Hand und nahm Kontakt zu Nina Grosser von Hundenatur auf. Nach unserem ersten Treffen war klar, diese Hilfe brauche ich, dass war die rettende Hilfe.
Nina machte sich auf die Suche nach einem zu uns passenden Hund und kurz darauf trat Valentino in unser Leben.

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Das erste Bild, dass ich von Valentino sah

Es war Liebe auf den ersten Blick.
Bei unserem ersten Treffen war er zu Anfang noch sehr zurückhaltend, doch das legte sich schnell und so bekam ich nach kurzer Zeit schon die ersten Küsschen von Valentino.

Es gab so viele Dinge die ich nicht machen konnte, bevor Valentino kam. Sei es einen Spaziergang über die Felder oder einfach einmal kurz alleine zum Bäcker. All diese, für die meisten Menschen normale Dinge, konnte ich nicht alleine machen. Ich hatte Angst, Todesangst, jeden Tag und jede Nacht. Das ich je aus dieser Situation herauskommen würde hätte ich nicht gedacht. Doch dann kam Valentino in mein Leben und es hat sich so vieles verändert.

Für mich war es wichtig:

– dass ich sicher zu einem Termin hin und wieder zurück kommen kann
– dass ich, wenn ich alleine bin, ohne Licht schlafen kann
– dass ich Hilfe bekommen kann, wenn ich Panikattacken habe
– dass ich Hilfe bekommen kann, wenn ich dissoziiere

Ich hatte meine Zweifel dass dies alles ein Hund leisten kann, aber hoffte inständig, dass es mir endlich wieder besser gehen würde. Valentino kam, er zog an Ostern 2014 bei mir ein und ich war so wahnsinnig aufgeregt, hatte aber auch Angst. Die Angst dass ich es nicht schaffen könnte, dass ich versagen würde und es Valentino nicht gut gehen würde bei mir.

Heute, 1,5 Jahre später bin ich unendlich froh dass ich diesen Schritt getan habe und von Herzen dankbar, dass ich diesen wunderbaren Hund bei mir haben darf.

Die Zeit der Ausbildung war nicht immer einfach und manchmal kam die große Angst zurück. Auch die Panikattacken und Dissoziationen sind nicht weggezaubert, wie auch, denn ein Assistenzhund kann eben auch nicht heilen. Aber durch Valentino habe ich nun endlich Lebensqualität. Ich kann alleine über die Felder spazieren gehen, ich kann wieder ohne Angst alleine in meiner Wohnung bleiben, ich kann meine Termine und Erledigungen alleine bewältigen, ohne dass ich dabei panisch werde.

Ich selbst konnte mich in der Zeit unglaublich entwickeln, ich glaube, ich habe viel mehr gelernt als Valentino. Endlich konnte ich mein Leben in die Hand nehmen und bestimmen, was passiert und wer darin einen Platz haben darf.

Dass ich so eine Entwicklung machen würde und vor allem dass ich endlich Stabilität finden würde, dass hätte ich in so einer „kurzen“ Zeit niemals erwartet.

MILES - das Magazin, Valentino+ Bea, Posttraumatischer Stressbelastungs Begleithund, PTBS Assistenzhund
Foto: www.lonniegraphie.de